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Über das Handwerk der Brillenmacher 

 

 

 

Der Lesestein

Die Erfindung der Brille wurde dadurch begünstgt, daß in den mittelalterlichen Werkstätten Bergkristalle und Edelsteine geschliffen wurden. Sie dienten zur Verschönerung der Schreine , Kreuze und Reliequien.  Als man den Vergrößerungseffekt bemerkte, wurden diese Steine gezielt zur Betrachtung kleiner Reliquien eingesetzt. bzw direkt auf die Schrift gelegt.

Auf Gotland gefundene Linsen waren Teil eines Schatzes, der in der Wikingerzeit ( 11./12. Jahrhundert) niedergelegt wurde. Die ältesten vergrößernden Lesesteine sind durch ihre besondere Form ganz außergewöhnlich- vor allem , wenn man bedenkt, daß sie vor 1000 Jahren hergestellt wurden.

Lesesteine gelten als Vorläufer der Brille. Da durchsichtiges Glas nur schwer herzustellen war, verwendete man Quarz, Bergkristall oder grüne Halbedelsteine, sog. Berile, woraus sich der Name Brille entwickelte

 

 

 

 

 

Brillengläser

Glas- Geschichte eines faszinierenden Stoffes

 „Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide – und du erhältst Glas.“ Dieses Rezept wurde 650 Jahre vor Chr. in Keilschrift auf eine Tontafel geschrieben und in der Bibliothek des assyrischen Königs Ashurbanipal archiviert. Grundsätzlich gilt die Zusammensetzung noch heute: Der Feststoff Glas entsteht aus einem Gemenge von Sand, Pottasche und Soda.


Die Technik der Glasherstellung war schon vor ca. 5000 Jahren im alten Ägypten bekannt, aber erst im 13 Jahrhundert wurden Brillengläser aus Silikat hergestellt. Im Mittelalter entwickelte sich die alte Handelsmetropole Venedig nach und nach zum Mittelpunkt abendländischer Glasmacherkunst.

 

Die Kunst der Glasherstellung unterlag Jahrhundertelang strengster
Geheimhaltung : so durften gelernte Glasarbeiter nicht auswandern
und andernorts ihr Gewerbe ausüben. Wiedersetzte man sich dieser
Anordnung wurden die nahen Verwandeten eingekerkert, bis es
Beauftragten gelang, den Flüchtigen zu töten:

 

" Der vereinigte Rat hat beschlossen, den Flüchtigen Pietro de Vetor, der sich
in Wien aufhält und den Antonio Victosi, der in Florenz ist, aus der Welt
entfernen zu lassen. Es ist deshalb Befehl gegeben, daß zwei Agenten des
Inquisitionstribunals diese Männer aufsuchen sollen und es werden ihnen zu
diesem Zwecke zwei Dosen Gift mitgegeben. Nach vollbracheter Tat sollen
jedem Agenten 100 Zechinen Belohnung gegeben werden." 

aus einem Erlaß des Hohen Rates
von Venedig 3. Aug. 1554

 

In deutschen Landen etablierten sich Glasmacher-Wanderbetriebe hauptsächlich in den waldreichen Mittelgebirgen, wo Eichen und Buchen in „Pötten“ zu Asche verbrannt wurden und andere Gehölze das Brennmaterial für die Öfen lieferten. Es entstand das grüne „Waldglas“.

Im Laufe der Zeit drang das Material Glas mehr und mehr in die Bereiche Wissenschaft und Technik vor. Angefangen von Galileo Galilei, der mit seinem Thermoskop den Vorläufer des Thermometers entwickelte, über den Physiker Joseph Fraunhofer, der im Kloster Benediktbeuern Linsen fertigte, deren Brechkraft und Streuvermögen exakt zu berechnen waren, bis hin zu Carl Zeiss und Ernst Abbé, die zusammen mit Otto Schott optische Gläser in bis dato nicht gekannter Qualität herstellten.

Seit dem 20. Jahrhundert ist die Glasherstellung größtenteils industrialisiert und automatisiert. Gerade deshalb wird die traditionelle Handwerkskunst der Glasbläser in der heutigen Zeit als etwas ganz besonders Wert(e)volles empfunden. Und das ist sie auch.

 

Das Einglas

 

Einglas ( vom Brillenmacher H. Dahmen)

Die Lesesteine der Mönche wurden zum Schutz und zur besseren Handhabbarkeit bald in eine Halterung und mit einem
Griff zu versehen. Fortan wurden sie als gestieltes Einglas vor das Auge gehalten.

 

Die älteste bekannte
 Darstellung eines " gestielten Einglases" befindet
 sich im Konstanzer Münster und ist um das
 Jahr 1270 entstanden

 

 

Nietbrillen waren der entscheidende Schritt zur Brille. Der Weg der Brille begann, als jemand auf den Gedanken kam, zwei Eingläser miteinander  zu vernieten.  Die Sehhilfe mußte vor die Augen gehalten werden. Sie waren bis ins 16 Jhd im Gebrauch.

 

 

Nietbrille ( vom Brillenmacher H. Dahmen)

 

Dominikanermönch Giordano da Rivalto 1305
in einer 1305 in Florenz gehaltenen Predigt:

"Es ist noch keine 20 Jahre her , daß die Kunst der Fertigung von Brillen, die besser Sehen vermitteln, eine
der nützlichsten Künste der Welt, erfunden wurde."

  

 

Lesen und schreiben wurde im 13. Jahrhundert nirgends so gepflegt, wie in den Klöstern. Der Bedarf an Brillen war hier zunächst am größten. Die älteste bekannte Darstellung einer Brille aus dem Kloster San Nicolo zu Treviso bei Venedig ( 1352 von Tommaso de la Modena).

 

 

 

 

Unter dem Chorgestühl des Klosters Wienhausen fand man 1953 die ersten Nietbrillen.Lange Zeit kannte man nur Abbildungen dieser Brillenart, sodaß man nur mutmaßen konnte, aus welchem Material sie bestanden hatten. Nun hatte man das erste mal Orginale gefunden. Sämtliche Fundstücke, die unter dem Chorgestühldes des Klosters zum Vorschein. kamen bestanden aus Holz (Linden- und Buchsbaum) .

Brillen aus dem Kloster Wienhausen (Niet- & Bügelbrille)

 

Bügelbrille : Seit dem 15 Jhd wurden Brillen ohne bewegliche Steg gefertigt. Der feste Nasenbügel war haltbarer und wurde aus verschiedenen Materialien wie Holz, Horn, Leder oder Fischbein gefertigt Die bequemeren,elastischeren Lederbrillen waren nicht nur in Deutschland des 16 Jhd gefragt.

Lederbrillen waren seit dem 15 Jahrhundert beliebt,weil sie weniger anfällig gegen Bruch waren und besser auf der Nase saßen als die Holzbrillen.  Ab 1756 fehlen sie in den Verkaufslisten der Brillenhändler. Einfacher zu verarbeitende Materialien hatten sie verdrängt. Die älteste erhaltene Lederbrille stammt aus der Zeit vor 1500 und steckte in einem Buchband. Brillen waren zunächst selten  und galten als Luxusobjekte. Sie wurden häufig in Inventaren aufgeführt und an die Nachkommen vererbt. Noch um 1550 mußte selbst ein Kanzler seiner Majestät noch Monate warten, um ein zerbrochenes Ersatzglas zu bekommen.

 

Lederbrille ( vom Brillenmacher H. Dahmen)

Um Bügelbrillen aus Horn elastischer zu machen, versah man den Nasensteg mit Lamellen- sog. Schlitzbügelbrillen Richtig bequem waren sie jedoch nicht. Die bisherigen Brillen mußten zudem mit der Hand vor die Augen gehalten werden. Abhilfe sollten Konstruktionen bringen , bei denen die Brille

- mit Band an die Mütze gebunden wurden ( Mützenbrillen)

- mit einem am Nasensteg befestigten Blech über die Stirn und unter die Perücken geschoben ( Stirnfortsatzbrille)

 

- mit einem Lederband oder Draht an dem die Gläser befestigt, um den Kopf gebunden wurden (Stirnreifenbrillen)

                

- mit Bändern um die Ohren (Fadenbrille ) 16.-17. Jhd

 

 


Klemmbrillen

Zur erschwinglichen Massenware wurden Brillen erst als sie nicht mehr rein Handwerklich gefertigt wurden.1640 wurde eine Maschiene erfunden mit deren man Draht formen für die schnelle Brillenherstellungformen konnte. Die sog. Drahtbrillen, im Volksmund: Nasenquetscher, wurden ganz vorne auf der Nase getragen. Beim einfachen Volk waren sie trotz schlechter Qualität bis ins 19 Jhd verbreitet.

Die in Massen gefertigte Ware war von schlechter Qualität und brachten kaum
Verbesserung beim Sehen. Das führte dazu , daß man davon sprach,
 "jemanden die Brille aufsetzen", was soviel bedeutete wie : jemanden betrügen.
Eine untreue Ehefrau hatte ihren Ehemann "gebrillt"

Fahrende Händler vertrieben Ende des 16. Jahrhunderts die Brillen zu niedrigen Preisen. Die Konkurrenz war hoch, die Qualität niedrig. Das Mysteriöse und Wunderbare, daß die Brille umgab, erzeugte Mißtrauen und führte im einfachen Volk dazu, Brillen als
Zauberei anzusehen . Der Brillenhändler war schon etwas besonderes, brachte er doch das Wunder fertig, daß man nun wieder in der Bibel lesen konnte.

 

Nürnberg ,Regensburg, Fürth

Als Wiege der Brillenproduktion in Deutschland gilt Nürnberg. Dort wurden seit 1616 Brillen hergestellt. In der zweiten Hälfte des 16 Jhd. gab es einen harten Konkurenzkampf zwischen den Städten Nürnberg und Regensburg.. Höheres Arbeitstempo und Arbeitsteilung führte vor allen Dingen in Nürnberg zu einer schlechteren Qualität der Brillen.

Ab 1710 entwickelte sich in Fürth eine noch stärkere Konkurrenz.. Die Fürther versahen ihre Brillen gerne mit Fantasiebezeichnungen wie "feine englische Kristallbrillen" oder mit gefälschten Meisterzeichen. Auch die Gläser wurden ab der zweiten Hälfte des 18 Jhd. nun nicht mehr ausreichend poliert und waren optisch ungenau. Die Qualität nahm nocheinmal ab.

 

Nürnberger Drahtbrille um 1780 

 Als nicht zum Verkauf bestimmt galten die Meisterstücke der Zünfte aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Mit Namen und Datum versehen, wurden sie in Zunftladen aufbewahrt. Meisterstücke wurden in Nürnberg bis c. 1721 angefertigt. 1890 erlosch das Handwerk.

 

 

Scherenbrillen

Im Adelsstand, den Wohlhaben und Vornehmen etablierte sich andere Brillenformen die nicht auf die Nase gesetzt, sondern vornehm vor den Augen gehalten wurden. Begüterte wollten keine Massenware und konnten sich die individuell arbeitenden Brillenmacher leisten. Zudem wollten sie die Sehhilfe rasch verschwinden lassen und ihr Make up und ihre Perücken nicht in Gefahr bringen.

 

Scherenbrille aus Horn vom Brillenmacher Jörn Dackow

Die Scherenbrille, die schon länger bekannt war, wurde ab 1795 regelrecht zur Mode und brachte es in die allerhöchsten Gesellschaftskreise: Napoleon oder auch Goethe( der als regelrechter Brillenhasser bekannt war und sich niemandem mit Brille zeigen wollte). Bis Mitte des 19 Jhd war die Scherenbrille Utensiel vieler modischer Menschen.

 

 

Lorgnetten

Es lag nahe den Griff seitlich unter die Gläser zu verlegen, damit das Gesicht nicht durch die Hand verdeckt war. 1780 wurde die Lorgnette entwickelt . Da sie eher von den Damen getragen wurden , entwickelten sie sich zu regelrechten Schmuckstücken aus edelsten Materialien..Sie war bis nach dem 2. Weltkrieg in den Katalogen der Optiker zu finden.

 

 

 

 

Gut 500 Jahre hat es gedauert, bis Brillenmacher zu
Beginn des 18 Jahrhunderts die Ohren und die  Schläfen
als Befestigungsmöglichk eit für das Brillengestell
entdeckten
. Dabei nahm man mit der Schläfenbrille
Rücksicht auf die zu dieser Zeit herrschende Mode,
Perücken zu tragen.

 

 

Ohrenbrille

Die Brillenform , wie wir sie kennen wurde im 18 Jhd entwickelt.Die ersten Ohrenbrillen wurden vermutlich Anfang des
17 Jahrhunderts in Spanien getragen, waren aber lange Zeit vergessen und tauchten erst 100 Jahre später wieder
auf. Die Schläfenbrillen reichten noch nicht bis hinter die Ohren sondern klemmten an den Schläfen. Zunächst wurden sie in Eisen oder Messing gefertigt. Erst zu Beginn des 19. Jhr wurden sie in größeren Stückzahlen in Deutschland gefertigt.

 

 

 

 

Monokel

Eine Sehhilfe die fast ausschließlich von Männern genutzt wurde ist das Monokel. Das erste Monokel erschein ca. 1730 aud einem Porträt des Barons Stosch. Zu Beginn des 19 Jhd kam die Sehhilfe in Mode, war im Militär sehr beliebt und wurde bis in die 1950iger Jahre verkauft.

 

Klemmer kamen seit 1841 in verschiedenen Formen auf .1906 wurde er salonfähig als sich Wilheln 5 auf einer Briefmarke damit abbilden ließ.

 

"Wenn man Leute mit Brillen mustert, so findet man, daß eine verhältnismäßig große Zahl unter ihnen, an einer mehr oder minder starken Röthe der Nasenhaut leidet. Das ist gewiß peinlich, den das große Publikum bringt die rothe Nase stets mit dem übermäßigen Genuß von geistigen Getränken in Verbindung."

 

Klemmer und Kneifer erfreuten sich bei den wohlhabenden
und gebildeten Bürgern des 19. Jahrhunderts großer
Beliebtheit. Sie galten als äußeres Zeichen von Intelligenz
und man nutzte sie gerne als Attribut der Zugehörigkeit
zur gesellschaftlichen Oberschicht.

Im Zusammenhang mit diesen Sehhilfen entwickelte sich
ein regelrechter "optische Sittenkodex". So wurde es üblich,
bei Begrüßungen und Vorstellungen den Klemmer
abzusetzen. Auch durfte sich niemals ein Untergebener
seinem Vorgesetzten mit Augengläser nähern.  

 Die 1789 von dem Englischen Optiker Adams entwickelte
Einschlaglorgnette wurde überwiegend von den Damen
der Gesellschaft verwendet. So kamen Eleganz, Bildung
und interessierte Aufmerksamkeit zum Ausdruck.     

 

Randlose Brillen

Ab 1850 kamen randlose Brillen in Mode. Die Brillen waren allerdings sehr zerbrechlich , da man echtes Glas verwendete.

 

  

Um 1920 kamen "Pexbrillen" aus dunklem Zellhorn in Mode. Harold Lloyd erzählte über seine Brille , das sie ihm wöchentlich 19970 Dollar einbringen würde. Die Brille hatte ihn unverwechselbar gemacht. Er meinte , daß er ohne diese Brille nur die normale Schauspielergage von 30 Dollar pro Woche bekommen würde.

 

 

Bis Mitte der 1960iger Jahre war die Fassungsherstellung in Deutschland wenig automatisiert und sehr aufwendig. Die Produktion einer Metallfassung erforderte ca. 100 Einzelschritte und noch viel Handarbeit. Bei Kunststoffbrillen war der Aufwand wenig niedriger. Übergänge mußtern von Hand befeilt und Materialien poliert werden. Farbbeschichtetet Brillen wurden erstmals für Soldaten im Vietnamkrieg gefertigt.

 

Heutzutage kommt der Großteil der auf dem Mark befindlichen Fassungen aus Fernost. Die Geschichte wiederholt sich an dieser Stelle ( s. Nürnberger Drahtbrillen) . Die industrielle Fertigung und die auf Kostenoptimierung gedrillten Proßesse tragen nicht unbedingt zur Qualitätssteigerung bei.

 

 

 

 

 

www.brillenmachergilde.de  | info@manufakturbrille.de